Aktualisiert am Montag, 12.5.08     Sie sind hier: / Tourismus-Service Werbung & Service

-----------------------------   Ciudad del Este   -----------------------------

Basaratmosphäre im Osten Paraguays - von Marcus Christoph

Man könnte meinen, man streife durch einen arabischen Basar. Ein Verkaufsstand neben dem anderen, überall Händler, die ihre Ware an den Mann bringen wollen. Ein Hauch von Orient umweht einen, wenn man durch die Straßen von Ciudad del Este geht, der paraguayischen Grenzstadt im Dreiländereck zwischen Paraguay, Brasilien und Argentinien. Bei so viel quirligem Treiben kaum vorstellbar, dass hier, am Ufer des Paraná-Flusses, bis vor gut 50 Jahren nur Urwald war.

Damals, es war die Zeit der Stroessner-Diktatur, verfolgte Paraguay das Ziel, die Abhängigkeit von Argentinien in puncto Flusszugang und Export zu beenden. Paraguay wollte nicht mehr von seinem südlichen Nachbarn erpressbar sein. Der Handel mit Brasilien sollte ermöglicht werden. Am 3. Februar 1957 wurde der Grundstein gelegt für die Stadt, die erst Puerto Flor de Lis, dann Puerto Presidente Stroessner hieß. Erst seit dem Sturz des Diktators, der im Jahre 1989 übrigens am 3. Februar zur Abdankung gezwungen wurde, trägt sie ihren heutigen Namen. In diesem Jahr konnte Cuidad del Este seinen 50. Geburtstag feiern.

In den ersten Jahren siedelten sich nur wenige in der neuen Stadt an. Erst mit dem Bau der „Brücke der Freundschaft“ (puente de la amistad) über den Rio Paraná ins benachbarte brasilianische Foz do Iguacu nahm die Stadtentwicklung allmählich Fahrt auf. Der große Sprung nach vorne erfolgte dann im Zuge des Baus des brasilianisch-paraguayischen Wasserkraftwerkes in den 70er-Jahren, als zahlreiche Arbeiter, Techniker, Ingenieure etc. aus aller Herren Länder in die Region kamen. Hatte die Stadt 1972 noch knapp 7000 Einwohner, waren es zehn Jahre später bereits über 49000. Das chaotische Wachstum der aufstrebenden „Boomtown“ setzte sich auch in den folgenden Jahren fort. Derzeit wird die Einwohnerzahl der Hauptstadt des Departamento Alto Parana auf 240000 (mit Umland 375000) geschätzt. Somit ist Ciudad del Este die zweitgrößte Stadt in Paraguay. Noch heute weist die Stadt eine hohe Ausländerquote auf. Es gibt viele aus Asien stammende Bewohner, besonders Taiwanesen, Araber und Iraner, was sich auch durch Moscheen und Pagoden im Stadtbild zeigt. Die Regierung von Taiwan finanzierte übrigens auch den Bau des Rathauses von Ciudad del Este. Eine Geste des Dankes für paraguayische Unterstützung in der UNO. Ein chinesischer Park mit einem Denkmal von Tschiang Kai-Schek ist ein weiteres Zeugnis dieser Freundschaft, die Paraguay mit dem Verzicht auf Beziehungen zur Volksrepublik China bezahlt.

Das Warenangebot in Cuidad del Este ist vielseitig. An den dicht an dicht gedrängten Ständen, die sich fast bis zur Grenzstation an der „Freundschaftsbrücke“ erstrecken, gibt es nahezu alles, was man sich denken kann: Elektrogeräte, DVDs, Kleidung, Uhren, Spirituosen und Unmengen an Zigaretten. Pro Jahr strömen Hunderttausende Käufer in dieses „Einkaufszentrum Südamerikas“. Gängigste Währung ist der US-Dollar. Der Marktbetrieb beginnt zumeist in den frühen Morgenstunden und flaut am Nachmittag dann zusehends ab. Es türmen sich Berge von Verpackungsresten auf den Straßen. Abends wirkt die Stadt aber wie ausgestorben.

Viele der Waren werden aus den Nachbarländern, vor allem aus Brasilien, herübergeschmuggelt. Brasilianische Produkte können in Ciudad del Este viel billiger angeboten werden, als jenseits der Grenze. Dem brasilianischen Staat, dem auf diese Weise hohe Steuereinnahmen verloren gehen, ist dieses Treiben seit Langem ein Dorn im Auge. Zwar ist es in den letzten Jahren gelungen, Schmuggel und Kriminalität durch schärfere Kontrollen auf beiden Seiten der Grenze etwas zurückzudrängen. Doch es werden immer wieder Wege gefunden, die Gesetze zu umgehen. Beispielsweise durch die so genannten Sacoleiros, was auf brasilianisch Sackträger heißt. Das sind Privatpersonen, die pro Tag von ihrem Recht, einzelne Waren zollfrei zu überführen, mehrfach Gebrauch machen. Die Situation ist also weiter gespannt. Vor diesem Hintergrund waren in jüngster Zeit immer wieder Gerüchte in Umlauf, in Brasilien werde der Bau einer Mauer zur Eindämmung des unkontrollierbaren Warentransfers erwogen. Ciudad del Este wird das Image einer „Schmuggelstadt“ wohl noch länger anhaften. Eine Zeit lang gab es Gerüchte, dass die Terrororganisation Al-Qaida die Region um Ciudad del Este als Rückzugsgebiet nutze. Dies ließ sich aber nicht erhärten.

An die Stadt grenzt die Gemeinde Minga Guazu an, was auf Guaraní soviel wie große Gemeinschaft bedeutet. Diese wurde in den frühen 60er-Jahren maßgeblich von dem Salesianer-Priester und Stroessner-Freund Guido Coronel gegründet. Ihr erster Name war Colonia Presidente Stroessner. Es entstand eine landwirtschaftliche Kooperative, der zeitweise mehr als 2500 Mitglieder angehörten. Diese musste zwar in den 70er-Jahren Konkurs anmelden. Doch auch heute noch ist die Gemeinde Minga Guazu, die sich auf einer Länge von knapp 20 Kilometer an der Ruta VII entlang zieht, von der Landwirtschaft geprägt. Multinationale Konzerne wie Cargill und ADN haben hier Niederlassungen. In Minga Guazu befindet sich der Guaraní International Airport, hinter dem Silvio Pettirossi-Airport von Asunción der zweite wichtige Flughafen des Landes. Der Ortskern mit Verwaltungszentrum und Kirche liegt gut 16 Kilometer von Cuidad del Este entfernt. Im Gegensatz zu Ciudad del Este geht es im großflächigen, vergleichsweise dünn besiedelten Minga Guazu eher beschaulich zu.

 
© Aktuelle Rundschau
Die deutschsprachige Zeitung aus Paraguay!
- Alle Rechte vorbehalten 2007 -
ISSN 1028-4672

Telefon: +595-21-660.358 / +595-21-609.729 - Fax: +595-21-613.606

Asunción - Paraguay
Casilla de Correo 3078
eMail: egisa@aktuelle-rundschau.com
eMail: egisa@conexion.com.py