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Was geschah am....?
1. Mai
23/04/08
Von Daniela Poschmann
Ob „Día Mundial del Trabajo“, „Labor Day“ (engl.) oder „Vappu“ (fin.) – den „Tag der Arbeit“ feiert die ganze Welt. Doch kaum jemand weiß warum. Machen Sie sich mit unserer neuen Rubrik schlau und glänzen am ersten Mai mit ihrem Wissen.
„Der erste Mai ist der Tag für Arbeitnehmer, ihrer Kritik und ihren Forderungen Gehör zu verschaffen," heißt es in einem Bericht der Deutschen Welle. Die Einen beherzigen das und gehen auf die Straße, die Anderen lassen die Seele baumeln oder treffen sich mit Freunden. Wie auch immer man diesen freien Tag nutzt, zu verdanken ist er den nord-amerikanischen Gewerkschaften des 19. Jahrhunderts.
Bis Mitte der 1980er gab es in den meisten US-Betrieben Arbeitszeiten von mindestens zehn Stunden. Um sie auf acht Stunden herabzusetzen, kam es am 1. Mai 1886, dem als „Moving day" deklarierten traditionellen Stichtag für Vertragsabschlüsse oder –Aufhebungen, zu einem mehrtägigen Generalstreik mit rund 400.000 Beschäftigten aus 11.000 Betrieben. Vier Jahre später kam es erneut zu Streiks und Kundgebungen, diesmal auch in anderen Ländern wie Deutschland und Frankreich. Trotz der Drohungen der deutschen Unternehmerverbände, die Beteiligten zu entlassen und auf eine schwarze Liste zu setzen, die eine spätere Arbeitssuche in der Gegend aussichtslos machte, nahmen etwa 100.000 Arbeiter an den Streiks, Demonstrationen und sogenannten „Maispaziergängen" teil. Dennoch, aus dem geforderten Neun-Stunden-Tag wurde nichts. Wie in den meisten anderen kapitalistischen Ländern blieb es bei zehn Stunden. Doch motiviert vom Zusammenhalt schlossen sich die Gewerkschaften zu dem Dachverband „Generalcommission der Gewerkschaften Deutschlands“ zusammen, der Deutsche Gewerkschaftsbund war geboren.
Im Oktober des selben Jahres führte die SPD den 1. Mai als dauerhaften „Feiertag der Arbeiter" ein. Gestreikt werden sollte nur in gut laufenden Betrieben, für alle andern sollten am ersten Maisonntag Umzüge und Feste im Freien stattfinden. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges war es mit diesen Plänen jedoch wieder vorbei, und in der Weimarer Republik waren die Gewerkschaften so zerstritten, dass es zu Straßenschlachten zwischen kommunistischen und sozialdemokratischen Arbeitern kam, später auch zu handgreiflichen Auseinandersetzungen mit den Nationalsozialisten. Letztere besetzten schließlich die Gewerkschaftszentralen, deportierten die Arbeiterführer und nutzten den ersten Mai fortan für gewaltige Aufmärsche.
Erst 1945 fanden an einigen von den alliierten Streitkräften bereits besetzten Orten die ersten freien, wenn auch kleinen Maifeiern seit 13 Jahren statt, organisiert von überlebenden Sozialdemokraten, Kommunisten und Gewerkschaftern. Im April 1946 bestätigte der alliierte Kontrollrat den 1. Mai als Feiertag. Seit der offiziellen Gründung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) 1949 ist der Bundesvorstand für die Maifeiern verantwortlich und beschloss die Maiaufrufe und die zentralen Maiparolen. 1951 begründete er die Tradition, die politischen Kundgebungen mit kulturellen Veranstaltungen zu umrahmen. Aus einer zunächst schlichten Feierstunde entwickelte sich später eine Mairevue, auf der der DGB-Vorsitzende zwischen künstlerischen Darbietungen die gewerkschaftlichen Forderungen erläutert.


